Die Vorteile eines Livestreams liegen klar auf der Hand: Teilnahme am Geschehen in Echtzeit, aktive Mitwirkung und direkter fachlicher Austausch. Zusammen mit einem 10-köpfigen Trainerteam des ukrainischen Katastrophenschutzes, des „State Emergency Service of Ukraine“ (SESU), wurden bereits mehrere Online-Ausbildungssessions zu ausgewählten Inhalten der THW-Grundausbildung veranstaltet. Auf mehrfachen Wunsch des SESU-Teams – und um den pandemiebedingten Ausfall von gemeinsamen Präsenzveranstaltungen wenigstens teilweise zu kompensieren – wurde nun nach praktikablen digitalen Lösungen gesucht, um den Partnern auch einen Einblick in die THW-Praxisausbildung zu gewähren.

Das im Stream dargestellte Ausbildungsszenario wurde dem Lernabschnitt 10 (Rettung und Bergung) entnommen: Eine verunfallte Person, die unter einer Betonplatte eingeklemmt war, musste mittels hydraulischem-Rettungsgerät befreit werden.

Fünf ehrenamtliche Einsatzkräfte aus den OV Köln Nord-West und Kaltenkirchen arbeiteten das Szenario Schritt für Schritt ab: Erkundung der Lage, Versorgung und Betreuung des Patienten, Sichern und Unterbauen der Betonplatte, Aufbau des Hydraulikaggregats und Bedienung von Schere und Spreizer.

Da der direkte Rettungszugang durch aus dem Beton ragende Armierungseisen versperrt war, mussten diese zunächst mit der Schere abgetrennt werden, bevor im nächsten Schritt damit begonnen werden konnte, die Last mittels Spreizer anzuheben und durch Unterbauung zu sichern. Nachdem der Übungspatient befreit war, wurde er Mittels Spineboard aus dem Gefahrenbereich verbracht und an den Rettungsdienst übergeben.

Während des gesamten Übungsablaufs hatten die zugeschalteten ukrainischen Trainer die Möglichkeit, ihre Fragen und Anregungen einzubringen und so aktiv am Geschehen teilzunehmen.

Um eine solche Präsenzveranstaltung unter Pandemiebedingungen überhaupt durführen zu können, war ein umfangreiches Hygienekonzept unabdingbar. Dieses um-fasste neben der strikten Einhaltung der 2G+ Regelung weitere Maßnahmen: Alle Teilnehmenden mussten bereits vor Anreise einen negativen Schnelltest nachweisen und wurden bei Ankunft PCR getestet. Trotz negativen Testergebnissen bei allen Beteiligten wurden, wo immer möglich, Abstände eingehalten und für ausreichende Lüftung gesorgt. Selbst an den beiden Tagen nach der Veranstaltung wurde der Gesundheitsstatus der Einsatzkräfte per Schnelltest weiter überprüft.

Der Livestream bot eine einmalige Gelegenheit, nicht nur einsatztaktische Herangehensweisen zu diskutieren, sondern auch das technische Format an sich als neuen digitalen Baustein für Ausbildungszwecke gemeinsam zu erproben und zu evaluieren. Als Fazit waren sich alle Beteiligten einig, dass ein Livestream zwar keine Praxisausbildung ersetzen kann, aber durchaus ein wertvolles Bindeglied zwischen theoretischem und praktischem Ausbildungsteil darstellen kann.

Herzlichen Dank an den OV Köln Nord-West und die beteiligten Einsatzkräfte für die tatkräftige und professionelle Unterstützung!

Quelle: Newsletter of THW Dezember 2021 – Januar 2022