Eine Initiative zur Sensibilisierung für genderbasierte und häusliche Gewalt und zur Verbesserung von Therapieprogrammen für die Täter*innen

Aufgrund des seit sieben Jahren andauernden Konflikts haben viele Menschen in den Oblasten Donezk und Luhansk in der Ostukraine traumatische Erfahrungen gemacht. Die mentale Gesundheit und psychosoziale Probleme der Bewohner hat durch ein Leben unter ständiger Anspannung zusätzlich gelitten.

In den Städten und Dörfern der beiden Oblaste leiden die Menschen unter Stress, posttraumatischen Belastungsstörungen sowie unter genderbasierter und häuslicher Gewalt. Die COVID-19-Pandemie und die damit einhergehenden Quarantänemaßnahmen haben die Situation zusätzlich verschlimmert. In der Folge sind die Fälle von genderbasierter und häuslicher Gewalt im ganzen Land rapide angestiegen, sowie in den Oblasten Donezk und Luhansk.

Nach Angaben der von der NRO La Strada betriebenen nationalen Hotline zur Prävention von Gewalt in der Familie, Menschenhandel und Geschlechterdiskriminierung haben sich die Fälle häuslicher Gewalt innerhalb eines Jahres verdoppelt. Die Änderungen im Verwaltungsablauf, die sich aus der Dezentralisierungsreform ergeben, werden die Erbringer von sozialen Dienstleistungen schon bald an ihre Kapazitätsgrenzen bringen. Sie werden dann nicht mehr in der Lage sein, mit der steigenden Anzahl an Fällen umzugehen.

Das Problem der häuslichen Gewalt wird mittlerweile auch in der Gesellschaft diskutiert. Doch während viel für die Opfer getan wird, gibt es kaum Aufmerksamkeit für die Täter*innen.

Auch die psychologischen und sozialen Probleme der Täter*innen sollten in den Blick genommen werden.

Ein einseitig an den Opfern ausgerichteter Lösungsansatz hat sich als ineffizient herausgestellt. Nur eine Behandlung, die auf mehreren Ebenen ansetzt, wird der Komplexität des Problems gerecht.

Das vom ukrainischen Ministerium für Sozialpolitik beschlossene Standardprogramm für Täter wird von den Gemeinden nur unvollständig angewendet. Dafür gibt es zahlreiche Gründe, unter anderem ein Mangel an Geld, unzureichende Erfahrung und eine personelle Unterausstattung. Hinzu kommt, dass ein Bewusstsein für das Problem häufig nicht vorhanden ist, und dass Genderstereotypen weit verbreitet sind. Um die Situation zu verbessern, haben wir diese Initiative gestartet. Wir wollen in den Oblasten Donezk und Luhansk Psycholog*innen fortbilden, die mit den Tätern arbeiten.

Das Projekt wird von der lokalen Charitable Fund „Child’s Smile“ umgesetzt und läuft von Oktober 2020 bis Februar 2021.

Unsere Planungen für die Projektlaufzeit:

1) Modernisierung der bestehenden Materialien für das Therapieprogramm

2) Training von Psycholog*innen, die mit Täter*innen arbeiten, und zusätzliche Qualifikationsmaßnahmen für NROs, die sich an der Initiative beteiligen wollen

3) Wir wollen uns außerdem dafür einsetzen, dass das Therapieprogramm von Strafverfolgungsbehörden angeordnet und eingesetzt wird, sowie von allen anderen Akteuren, die nach der geltenden Gesetzgebung zur häuslichen Gewalt für die GBV-Prävention zuständig sind.

Die Initiative wird zusätzliche Möglichkeiten schaffen, mit den Täter*innen umzugehen.

Statt ausschließlich mit Verboten zu arbeiten, soll dieser Ansatz das Problembewusstsein der Täter*innen entwickeln und ihre Fähigkeit zur gewaltlosen Kommunikation verbessern. Wir hoffen, dass er seine Wirksamkeit unter Beweis stellt und zu einem Rückgang von genderbasierter und häuslicher Gewalt in der Region beiträgt.